Heute habe ich – eigentlich per Zufall – mal wieder eine uralte CD in die Hände bekommen. Naja uralt – der Tonträger ist von 1993, die darauf enthaltenen Titel zum Teil 15 Jahre älter. Es handelt sich dabei um eine „Best of“ der ostdeutschen Rockband Karat (Castle Masters Collection).
Zum einen war ich erstaunt, wie gut ich die Texte noch auswendig kannte, so zum Beispiel vom Opener „Jede Stunde“ oder vom „Schwanenkönig.“ Nicht zu vergessen, die sieben Brücken… OK, das sind nun mal die Hits, die jeder kennt aber bei mir kommt noch hinzu, dass ich mit dieser Musik aufgewachsen bin, diese aber im Zuge meiner musikalischen Sozialisierung ganz weit nach hinten verdrängt habe. Manche Titel habe ich 20 Jahre und länger nicht mehr gehört…
Regelrecht weggehauen haben mich hingegen die Stücke „Marionetten„, „Narrenschiff“ und „Albatros„, die ersteren beiden vor allem wegen der Texte, „Albatros“ auch musikalisch. Wer sich heute die Songtexte durchliest, kann sich wohl kaum noch vorstellen, was, Zeilen wie „Und krachen die Stürme mit rauher Gewalt / auf den Ozeanen so unendlich weit, / dann fliegt er mit Feuer und steigt ungeheuer / zur Freiheit der Meere. / Doch wenn er gefangen / in armdicken Schlingen mit Tücke und List, / dann brechen die Schwingen; / es trauert das Meer, das den Herrscher vermißt: / Gefangen sein heißt für ihn Tod“ für einen DDR-Bürger bedeutet haben. Kaum vorstellbar auch, dass die Oberen die Untertöne bei „Marionetten“ nicht verstanden haben: „Köpfe aus Holz, die sind hohl, / und sie nicken nur auf Befehl, / und sie spielen dir vor, / was der Meister befiehlt. / Und sie tanzen im Reigen, sie spielen und schweigen, / das ganze Theater, es schillert so bunt“. Textzeilen, die meiner Meinung nach auch heutzutage noch zutreffen…
Ich werd zwar jetzt sicher kein Ostalgiker, aber ich denke, es lohnt sich ab und zu die alten Scheiben hervorzuholen. Im Falle von Karat auch, weil die Band einfach fantastische Stücke geschrieben haben. Ganz nebenbei gefallen mir auch die sehr mystisch-metaphorischen Texte solcher Titel wie „Schwanenkönig“, bei denen man sich immer fragt: Warum drückt er das jetzt so aus? Das ist Lyric…